Grundverständnis

Wir wissen, dass Sucht „immer eine Geschichte“ hat und viele verschiedene Ursachen zu ihrer Entstehung beitragen. Suchtmittelmissbrauch und -abhängigkeit oder anderes süchtiges Verhalten ist das Ergebnis eines lebensgeschichtlichen Prozesses.

Deshalb kann nur eine langfristige, kontinuierliche Einflussnahme auf suchtfördernde Bedingungen die Verhaltensweisen und Einstellungen von Menschen positiv verändern. Wir orientieren uns dabei an der individuellen Lebenssituation der Kinder, Jugendlichen und Eltern/Bezugspersonen. Hier sind die Bedingungen zu finden, die mit dazu beitragen, dass es zu Alkohol-oder Drogenmissbrauch oder zur Entwicklung anderer süchtiger Verhaltensweisen kommt.

Welche Faktoren schützen vor der Entwicklung süchtigen Verhaltens?

Die wissenschaftliche Forschung belegt, dass in der Suchtvorbeugung weder abschreckende Maßnahmen noch ausschließliche Sachaufklärung über Substanzen, Konsum und Folgen erfolgreich sind. Viel bedeutsamer ist es, die Faktoren zu fördern, die vor der Entwicklung süchtiger Verhaltensweisen schützen.

Dazu gehören einerseits personale Schutzfaktoren, wie zum Beispiel ...
  • Beziehungs-, Konflikt- und Kommunikationsfähigkeit
  • Realistische Selbsteinschätzung
  • Hohe Eigenaktivität und Interessenvielfalt
  • Positives Selbstwertgefühl
  • Vertrauen in die Selbstwirksamkeit
  • Aktiver Problembewältigungsstil – im Gegensatz zur Problemvermeidung
  • Zuversichtlicher Blick auf die eigene Entwicklung
  • Risikobewusstsein/Risikokompetenz/Mündigkeit
  • Selbstständige Urteilsbildung und Kritikfähigkeit
  • Kohärenzsinn, d.h. das Gefühl des Verankert seins
  • Genuss- und Erlebnisfähigkeit
  • Kognitive Fähigkeiten, z.B. differenziertes Denken, Sprachvermögenen
Desweiteren kennen wir soziale Schutzfaktoren, wie zum Beispiel ...
  • Vertrauensvolles Verhältnis zu den Eltern und deren Unterstützung in schwierigen Situationen
  • Feste emotionale Bezugspersonen
  • Gutes soziales Netz, stabilisierende Freundschaftsbeziehungen
  • Förderliches Klima in der Schule oder am Arbeitsplatz, d.h. überschaubare Unterrichtsstruktur, angemessene Anforderungen,
  • förderliche schulische Umwelt
  • Zugang zu Information und Bildung
Wie beugen wir der Entwicklung von süchtigem Verhalten vor?

Die Kindheit und Jugend ist eine Zeit der Identitätsfindung, des Lernens und des Erprobens. Dies zeigt sich auch im Umgang mit Suchtstoffen und in spezifischen jugendtypischen Verhaltensweisen.

Das update-Team möchte junge Menschen in ihrer persönlichen Entwicklung begleiten und ihre Lebenszusammenhänge positiv beeinflussen. Von entscheidender Bedeutung ist es für uns, Kinder und Jugendliche frühzeitig zu erreichen, um ihnen in den unterschiedlichen Lebensphasen und Konsumstadien die geeignete suchtpräventive Orientierungshilfe zu geben und bei der Bewältigung von Krisensituationen mit den entsprechenden Fachkompetenzen zur Seite zu stehen.

Die Förderung der Motivation zu einer selbstbestimmten, UNabhängigen Lebensführung ist uns ein bedeutsames Anliegen.

Wir stellen jungen Menschen einen geschützten Erlebnisraum bereit, der das Erkennen von eigenen Ressourcen und die Stärkung von Selbstwert, Eigenverantwortung, Kommunikations- und Konfliktfähigkeit ermöglicht. Kontinuierliche und längerfristige Präventionsveranstaltungen sind Beziehungsangebote, die den Teilnehmer/innen die Entwicklung und die Erprobung neuer Handlungsmuster und Konfliktlösestrategien erlaubt.

Daneben hat für uns die Zusammenarbeit mit den Eltern oder anderen Angehörigen junger Menschen große Bedeutung. Wir möchten sie beraten, sie bei der Umsetzung eines entwicklungsförderenden Erziehungsverhaltens unterstützen und sie in ihrer Elternkompetenz stärken.

Unsere wichtigsten Kooperationspartner in der Suchtvorbeugung sind die Fachkräfte aus Kindertagesstätte, Schule, Jugendarbeit und Jugendhilfe. Sie stehen tagtäglich mit den jungen Menschen in Kontakt und sind für sie bedeutsame Bezugspersonen außerhalb des familiären Kontextes. Sie können entscheidenden Einfluss auf die positive Entwicklung von Kindern und Jugendlichen nehmen.

Im Rahmen von Beratungen, Informationsveranstaltungen und Fortbildungen möchten wir die Fachkräfte zu suchtpräventiv wirksamen Multiplikatoren/innen ausbilden, was im besonderen Maße die Nachhaltigkeit suchtvorbeugender Aktivitäten erhöht.

Welche weiteren Handlungsfelder der Suchtprävention gibt es?Wir verstehen „Sucht“ als ein multifaktoriell begründetes Phänomen, bei dem sowohl individuelle als auch gesellschaftliche und suchtmittelspezifische Aspekte eine Rolle spielen.

Daher wollen wir auch die Zusammenhänge zwischen Suchtentstehung und entwicklungshemmenden gesellschaftlichen und lebensweltbezogenen Vorgaben und Strukturen aufzeigen.

Eine damit verbundene verhältnisbezogene Prävention hat in Ergänzung zur verhaltensbezogenen Prävention nicht die Stärkung der Persönlichkeit im Blickfeld, sondern bezieht sich flankierend auf die suchtauslösenden und suchtfördernden Lebensbedingungen. Das Ziel besteht darin, eine Verbesserung dieser Lebensbedingungen in Familien, Schule, Wohn- und Arbeitswelt sowie Freizeit zu erreichen.

Dazu ist eine breitangelegte Öffentlichkeitsarbeit notwendig. Im Rahmen dieser Aktivitäten wird eine Sensibilisierung der Gesamtbevölkerung für die Komplexität und Prozesshaftigkeit von Sucht und Abhängigkeit angestrebt, um somit frühzeitig Suchtentwicklungen vorzubeugen.

Auf welchen Grundsätzen basiert unsere suchtpräventive Arbeit?

Zusammenfassend lassen sich für die Wirksamkeit und Nachhaltigkeit unserer suchtpräventiven Arbeit folgende Grundsätze formulieren:

  • Unsere Präventionsarbeit hat einen langfristigen Ansatz und ist eine Gemeinschaftsaufgabe.
  • Die Förderung von Lebenskompetenz steht bei unserem Handeln im Vordergrund. Als wenig oder nicht wirksam haben sich Sanktionen und Abschreckung oder ausschließlicher Informationsvermittlung erwiesen.
  • Die Familie und der Erziehungsstil der Eltern haben den lebensgeschichtlich ersten und wahrscheinlich wichtigsten Einfluss auf den späteren Umgang mit Suchtmitteln. Daher hat die Begleitung und Beratung der Eltern für uns eine hohe Bedeutung.
  • Wir wollen mit unserer Präventionsarbeit frühzeitig in Kindergarten und Schule ansetzen.
  • Im Jugendalter beziehen wir in unsere Interventionen auch die Gestaltung des Peer-Gruppe-Einflusses in und außerhalb der Schule als präventiven Faktor mit ein.
  • Die Arbeit mit Multiplikatoren/innen bildet einen Schwerpunkt unseres Engagements.
  • Unsere Präventionsarbeit ist im Rahmen integrierter Gemeindeprogramme koordiniert und dauerhaft angelegt.
  • Wir bewirken mit unserem suchtpräventiven Handeln auch strukturelle Veränderungen.
(ggl. ginko Stiftung für Prävention (Hg.) 2009: Suchtvorbeugung in Nordrhein-Westfalen. Bausteine zum Qualitätsmanagement inder praktischen Arbeit. Mülheim a.d. Ruhr.)